Brigitta Gerber
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Erfahrungen als Grossratspräsidentin 2007/08. In aller Kürze aus dem BastA!-Bulletin:


"Mein Blick auf Basel hat sich verändert.

Brigitta Gerber war für ein Jahr die höchste Baslerin war. Sie hat dieses Amt mit viel Engagement und grosser Kompetenz wahrgenommen. Wir wollten von ihr wissen, wie sie ihre Amtszeit als Grossratspräsidentinerlebt hat. Die Fragen stellte Martin Flückiger.

M.F.: Brigitta, wenn du auf dein Amtsjahr zurückblickst: Welche Begegnungen, welche Erfahrungen haben bei dir einen bleibenden Eindruck hinterlassen? Brigitta Gerber: Ich glaube, es macht keinen Sinn, einzelne Ereignisse zu nennen. Ich könnte mich nicht festlegen. Es war vor allem die Vielfalt, die gesamte Palette, die ein unglaublich grosses, soziales Engagement unserer Bevölkerung zeigt. Sie haben meinen Blick auf Basel verändert. Heute habe ich – ausser bei der Frage „Netzwerke, Gender und Karriere“ – hinsichtlich den ewigen Beschwerden, man sei in Basel so entfremdet, weniger Verständnis. Es sind vielleicht nicht meine Netzwerke, aber es gibt in dieser Stadt die unterschiedlichsten Möglichkeiten, sich zu engagieren und sich wohl zu fühlen. Die meisten Leute tun dies auch, und sie dürfen stolz darauf sein.

Als Ratspräsidentin konntest du zweimal das Zünglein an der Waage spielen und den Stichentscheid geben. Um welche Geschäfte ging es da? Ja. Beim ersten mal ging es darum, ob jugendliche Straffällige ihre Strafe getrennt absitzen oder zusammen mit Erwachsenen untergebracht werden sollen. Bisher gibt es in der Schweiz keine speziellen Einrichtungen für Jugendliche, aber bis in zehn Jahren müssen alle Kantone entsprechende Unterbringungsmöglichkeiten bereitstellen. Der Regierungsrat wollte vorerst noch abwarten und den Bedarf eruieren. Dies hat mich nicht überzeugt. Aus grundrechtlichen Überlegungen hab ich den Stichentscheid zugunsten des Antrages von Tanja Soland gegeben. Den zweiten Stichentscheid hatte ich im letzten Dezember bei der Verhandlung um das Steuerpaket. Ausserhalb der vier Grundpfeiler, über die sich die Parteien ja bereits geeinigt hatten, hat die Sachkommission des Grossen Rates noch eine spezifische Dividendenentlastung dem Paket hinzugefügt. Mit meinem Stichentscheid konnte diese wieder herausgestrichen werden. Inzwischen hat mir sogar eine Mehrheit der Basler Bevölkerung recht gegeben. So wurde bei der letzten Abstimmung die Unternehmenssteuerreform des Bundes - ebenfalls Dividendenbesteuerung - in Basel- Stadt mit beinahe 60% abgelehnt. Neben der Leitung der Grossratssitzungen gehört es zu den Aufgaben einer Ratspräsidentin, Repräsentationspflichten wahrzunehmen.

An ungefähr wie vielen Anlässen bist du während deines Amtsjahres aufgetreten? Und welche Anliegen hast du an diesen Anlässen vor allem angesprochen? Ich habe sie nicht gezählt. Die Einladungen und Unterlagen zu den Anlässen haben in sieben Bundesordnern Platz gefunden. Als oberste Vertreterin der Legislative und des Kantons habe ich vor allem zu Themen wie demokratisches Gleichgewicht zwischen den Generationen, Ausländerstimmrecht, aber auch die immer noch zu geringe Partizipation von Frauen im Parlament und in mittleren und oberen Führungsgremien gesprochen und/oder über die mangelnde demokratische Legitimation bei der Entwicklung unserer Metropolitanregion über drei Länder hinweg. Je nach Publikum auch über urbane Interessen im Bereich Umwelt – oder ich habe den GastgeberInnen auch einfach nur im Namen des Grossen Rates für das soziale Engagement in dieser Stadt danken dürfen.

Kannst du uns verraten, wo es den besten Wein gab? Tja, ich gestehe es nicht gerne ein, aber beim Vorgesetztenessen der Zunft zu Weinleuten war der Wein ausserordentlich gut. Leider sind da keine Frauen zugelassen und können höchstens als Gast geladen werden, wenn sie zum Beispiel Ratspräsidentin sind. So können von uns Frauen theoretisch vielleicht ein paar, praktisch wohl ganz wenige in den Genuss einer Einladung kommen. Ich habe aber Menu und Weinfolge auf Papier aufbewahrt und gebe Neugierigen und KellereibesucherInnen gerne Auskunft.

Dein Amtsjahr ist nun zu Ende. Lachen deine Augen oder weinen sie? Das Amtsjahr war, wenn auch einzigartig, zeitlich recht aufwändig. Ich war meist sechs von sieben Abenden der Woche als Präsidentin unterwegs. Ich freue mich deshalb ausserordentlich, wieder privat Freundinnen und Freunde zum Nachtessen einzuladen und wieder ins Kino oder Theater gehen zu können. Dann haben die ganzen Sitzungen und Reden natürlich auch viel Aufwand erfordert. Deshalb freu ich mich, mein Büro wieder anzukurbeln und inhaltlich zu arbeiten. Fazit: Ein Jahr ist toll, eine zeitliche Begrenzung sehr sinnvoll.

Brigitta, wir danken dir für dein grosses Engagement und wünschen dir für die Zukunft alles Gute."

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