Brigitta Gerber
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Portrait von Nathalie Grob in der BaZ

FCB-Phänomen als Vorbild
Die sprichwörtliche Offenheit der Basler und Baslerinnen gehört unterstützt und ausgebaut! Brigitta Gerber lebt gerne in dieser Stadt und hat sich nach verschiedenen Aufenthalten im Ausland und in der übrigen Schweiz entschlossen, in Basel zu bleiben. Mit diesem Entscheid hing auch der Wille zusammen, an ihrem Wohnort mitzubestimmen und Verantwortung zu übernehmen. Die neue Grossrätin wählte dafür die Partei "BastA!", bei der sie nun seit drei Jahren Mitglied ist. Besonders der politische Einsatz für soziale Anliegen und der hohe Stellenwert des Gender-Aspekts überzeugten Gerber von der linken Partei. Von Anfang an engagierte sie sich in der Partei-Koordination, welche unter anderem die BastA!-Grossräte unterstützt und berät.

Da die Ethnologin und promovierte Historikerin nun selbst im Grossen Rat sitzt - sie rückte auf Andrea Büchler nach -, will sie sich für ein gutes Zusammenleben in der Stadt einsetzen. Als Vorbild könnte das FCB-Phänomen dienen, erklärt die Grossrätin. So sei es faszinierend, wie der FCB die Zuschauerinnen und Zuschauer durch alle Schichten, Alter, Nationalitäten und Geschlechter begeistere und verbinde. Die BastA!-Frau strebt eine gesamtgesellschaftliche Integration an. Damit das funktionieren könne, brauche es jedoch einen guten Boden. Dazu gehöre beispielsweise das Basler Integrationsleitbild, das schweizweit grosse Beachtung gefunden habe.

Aber nicht nur bei den Integrations-Fragen, auch sonst mache der Staat seine Aufgaben nicht schlecht, betont Brigitta Gerber. Damit Basel-Stadt jedoch ihre Leistungen weiterhin so gut anbieten könne, müssen auch die Kantone Baselland und Aargau ihren Teil dazu beisteuern. Denn die Stadt können nicht alle zunehmenden Lasten, die aufgrund ihrer Zentrumsposition anfallen, selbst tragen. Deshalb müssten die Lasten unter den Kantonen aufgeteilt werden.

Zudem sei sie gegen die Privatisierungs- und Auslagerungsbestrebungen von staatlichen Leistungen, weil diese mit einem Abbau der Grundversorgung einhergingen. Negativ-Beispiele gäbe es genug. So klappe in Schweden und den USA - wo sie selbst studiert und gelebt hat - die Stromversorgung nicht. Auch England habe seit der Privatisierung des öffentlichen Verkehrs Probleme in diesem Sektor- besonders mit dem Schienenverkehr. "Solange Private nicht gleich oder besser funktionieren, bin ich gegen den Ausverkauf des Staates", meint die BastA!-Grossrätin.

Auch die Umgestaltung der ganzen Basler Verwaltung nach den Ideen von New Public Management (NPM), die zur Zeit rege diskutiert und überdies am 4. Dezember im Grossen Rat debattiert wird, findet Brigitta Gerber wenig sinnvoll. NPM sei ein Unding und führe zu einer Entdemokratisierung, da der Grosse Rat dann nur noch über Globalbudgets abstimmen könnte und nicht mehr über konkreten Inhalte. Unverständlich erscheint ihr auch, dass man NPM nun beim Staat einführen wolle, wo doch in der Wirtschaft ähnliche Modelle (Management by Objectives BO) sukzessive - wegen klaren Mängeln - wieder abgeschafft werde. Das vornehmliche Ziel bestehe ja darin, mit New Public Management Geld zu sparen, doch das Gegenteil sei der Fall, stellt die Grossrätin fest. Es koste langfristig mehr, als das es kurzfristig einbringe. Natürlich unterstütze sie Bestrebungen, die Staats-Finanzen im Lot zu halten, doch NPM sei der falsche Weg dafür. Umstrukturierungen sollen Schritt für Schritt auf bestehendem aufbauen, vorhandenes Wissen verbessern, und nicht den staatlichen Betrieben einfach übergestülpt werden. Wichtig scheint ihr auch, nicht mehr nur die zurzeit vorherrschende ökonomische Richtung als sakrosankt anzusehen, sondern auch andere Theorien in die Überlegungen einzubeziehen.

Nathalie Grob, BaZ, Herbst 02

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